2026/01 - Das Schwierige am Anfang

 

Als der große spanische Cellist und Dirigent Pablo Casals 95 Jahre alt wurde, fragte ihn ein junger Journalist: „Herr Casals, Sie sind 95 Jahre alt und der größte Cellist, den es je gab. Warum üben Sie immer noch sechs Stunden am Tag?“ Pablo Casals antwortete: „Weil ich glaube, dass ich Fortschritte mache.“

 

Man sagt, das Schwierigste sei der Anfang. Aber wollen wir mal über das Weitermachen sprechen? Am Anfang kann man mit einem Meisterwerk beginnen, aber jeder Unsinn ist völlig in Ordnung. Aber um weiterzumachen, muss der Unsinn zumindest besser sein als der vorherige. Es ist nicht einfach, die drei neuen Spiele auszuwählen, die die MINI CARD GAME-Reihe fortsetzen werden. Es ist nicht einfach, immer besser werden zu wollen. Und die GiocaGiullari, die eines unserer Spiele in die TOP TEN der besten Spiele des letzten Jahres aufnehmen, tragen nicht gerade dazu bei, die Erwartungen zu dämpfen. Manchmal vermisse ich die Unbeschwertheit der Anfänge. Wenn etwas noch nicht existiert, ist es immer ein potenzielles Meisterwerk. Eine Klassenkameradin fragte den Lehrer einmal, ob bei der Klassenarbeit jemand die Bestnote erreicht habe. Ja, antwortete der Lehrer. Sie lächelte glücklich und sagte: Vielleicht bin ich es. Tatsächlich bekam sie eine 2,5. Aber sie war in einer Klasse, in der jemand die Bestnote erreicht hatte, also hätte sie es potenziell sein können. Die ersten Spiele auszuwählen, die veröffentlicht werden sollten, war genau diese Freude. Zwei Jahre und zehn Spiele später macht man sich dagegen mehr Gedanken. Jedes Jahr werden laut einer zufälligen Internetrecherche über 5'000 neue Brettspiele veröffentlicht. Ich erinnere mich nicht an die Quelle, bleiben wir also auf der Ebene des „Hörensagens“. Daher ist es legitim, sich zu fragen, ob die Spielewelt ein weiteres neues Spiel braucht. Und ob wir, wenn wir schon einmal im Leben Spiele entwickelt haben, in der Lage sind, es „besser“ zu machen. Aber vielleicht mache ich mir all diese Gedanken, weil ich zu einer Generation gehöre, die mit Liedern wie «Si può dare di più» (Mann kann mehr geben) aufgewachsen ist.

Naivina, Switzerland.